Studium und Lehre
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Leitbild des ZSQ

In vielen beruflichen, aber auch in zahlreichen privaten Handlungsfeldern muss man heute nicht nur über bestimmte Wissensbestände verfügen, sondern auch in der Lage sein, dieses Wissen flexibel, d.h. in sich ständig wandelnden Kontexten anzuwenden. Das Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZSQ) der Hochschule Hannover setzt daher nicht bloß auf die Vermittlung von additivem Wissen in verschiedenen außer- und überfachlichen (Schlüssel-) Qualifikationsbereichen, sondern geht von einem breiten Qualifikationsbegriff aus. Gegenüber  dem Erwerb von möglicherweise ‚leerem’ Wissen sollen die Studierenden vielmehr soziale, personale und sachlich-methodische Kompetenzen entwickeln, auf welche sie dauerhaft und verlässlich in den verschiedensten beruflichen und gesellschaftlichen Feldern zurückgreifen können. Konkret heißt dass, dass z.B. ‚Soziale Kompetenz’ nicht in einer klassischen Veranstaltungsform ‚gelehrt’ wird, sondern durch die Betonung der Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden, besonders aber der Interaktion zwischen den Studierenden praxisnah ausgebaut wird. Auf diese Weise eignen sich die Studierenden konkrete Handlungsbefähigungen an, über welche sie souverän und routiniert verfügen können und welche ihr Fachwissen nicht nur entscheidend ergänzen, sondern eine kontextgerechte Anwendung des fachlichen Spezialwissens überhaupt erst ermöglichen. Zur Verwirklichung dieser Zielstellung wird den verschiedensten interaktiven Lehr- und Lernformen an der FHH ein besonderer Stellenwert zuerkannt. Neben der zentral organisierten Förderung der Kompetenzentwicklung im Zentrum für Schlüsselqualifikationen gilt dies schließlich auch für den kernfachlichen Bereich: Durch Projekt- und Gruppenarbeit oder etwa begleitende Tutoring- und Mentoring-Programme wird auch im Rahmen solcher kernfachlicher Veranstaltungen die Praxisorientierung der Hochschulausbildung gestärkt und jeder einzelne Studierende erhält die Gelegenheit, seine spezifischen sozialen, personalen und sachlich-methodischen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Das Zentrum für Schlüsselqualifikationen unterstützt und berät die Fakultäten bei der Integration von Schlüsselqualifizierung und Kompetenzentwicklung in die kernfachlichen Module der Curricula.

Die Kompetenzentwicklung der Studierenden ist an der FHH eng verbunden mit der Verbesserung der Studierqualität. Damit ist zum einen die ständige Überprüfung und Verbesserung der allgemeinen Studierbarkeit der einzelnen Studiengänge gemeint. Gleichzeitig wird damit aber auch die Identifikation und systematische Eindämmung von – womöglich sozial, ethnisch und geschlechtlich spezifischen – Studienhürden anvisiert. Dabei handelt es sich um besondere Herausforderungen im Zuge der Ausdifferenzierung und des Umbaus der Studiengänge (Bologna-Prozess), denen an der FHH nicht nur bei der Entwicklung der Studiengänge, sondern auch mit einem spezifisch entwickelten Beratungs- und Betreuungsangebot begegnet wird. Kompetenzentwicklung ist ein individueller Prozess, der an den Anlagen und Voraussetzungen des Individuums ansetzt – und damit auch die Chance einschließt, im Zuge einer beruflichen Ausbildung Vorlieben, Neigungen und persönlichen Wertvorstellungen Ausdruck verleihen zu können. Solche beratenden und begleitenden Maßnahmen (Studienberatung, Sozialberatung, Mentoring), welche vor allem die personalen Kompetenzen im Sinne einer lebenslangen Befähigung zum (Selbst-)Lernen sehr spezifisch weiterentwickeln, werden an der FHH daher als ein integrativer Teil des Studiums angesehen. Darüber hinaus werden die Studierenden mittels spezieller ethischer Inhalte dazu befähigt, die Kulturen des eigenen Faches und der eigenen sozialen Position zu reflektieren und auf dieser Basis sozial und interkulturell verantwortlich zu Handeln.


Kompetenz im Quadrat / Kompetenz2

Der besondere Anspruch der FHH an die Lern- und Entwicklungsziele der Studierenden lässt sich auch als „Kompetenz im Quadrat – Komptenz2 beschreiben: Kompetenzentwicklung findet nicht nur im außerfachlichen Bereich statt. Durch unterschiedlich gerahmte Lehr- und Lernformen auch in den kernfachlichen Bestandteilen der Curricula entwickeln die Studierenden konkrete und nachhaltige Handlungsbefähigungen: so durch die Betonung praxisbezogener Zusammenarbeit und des gemeinsamen Lernens im Team (soziale Kompetenzen), durch die Betonung von Eigenverantwortlichkeit und der Reflexion der eigenen Lernprozesse (personale Kompetenzen) sowie durch die Vermittlung einer methodischen Vielfalt im Hinblick auf das Verständnis wissenschaftlicher und berufsbezogener Sachverhalte (Sach- und Methodenkompetenzen).

Kompetenzen unterscheiden sich von Qualifikationen dadurch, dass sie nicht nur das explizite (und gegebenenfalls ‚leere’) Wissen beschreiben, sondern einen Handlungsbezug aufweisen. Wenn wir in alltagsweltlichen bzw. beruflichen Kontexten agieren, kommt schließlich nicht nur zur Geltung, was wir ‚wissen’, sondern auch was wir ‚sind’ – unsere Motivationen, Haltungen, Mentalitäten und Werte. Letztlich ist es die gesamte Person und Persönlichkeit, die entscheidet, inwiefern ein Sachverhalt überhaupt interessiert, mit welcher Verve er angegangen wird und welche Ressourcen dazu herangezogen werden (z.B.: Bereitschaft, Andere zu fragen = soziale Kompetenz). Diese tiefliegenden Eigenschaften des Subjektes lassen sich nur in der längeren biographischen Sicht weiter entwickeln. Durch einen besonderen didaktischen Aufwand und die Schaffung einer förderlichen lernkulturellen Umgebung hat es sich die FHH zum Ziel gesetzt, diese individuellen Prozesse der Studierenden im Rahmen der Hochschulausbildung soweit als möglich zu unterstützen.




Tobias Sander 06.03.2012  
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