Nummer 5 / 2012
Neue Studie zur Zahl der Beschäftigten in Pflegeberufen
In einer neuen Studie für den Deutschen Pflegerat kommt Prof. Dr. Michael Simon aus der Fakultät V – Diakonie, Gesundheit und Soziales zu dem Ergebnis, dass es in Deutschland deutlich weniger Pflegepersonal gibt als bisher angenommenSowohl in wissenschaftlichen Analysen als auch in der gesundheitspolitischen Diskussion, beispielsweise über einen Fachkräftemangel in der Pflege, wird bislang vor allem auf die Daten der Gesundheitspersonalrechnung (GPR) des Statistischen Bundesamtes zurückgegriffen. Die GPR weist für 2009 insgesamt ca. 1,5 Mio. Beschäftigte in Pflegeberufen aus. Professor Simon kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass die tatsächliche Zahl jedoch bei ca. 1,2 Mio. und damit ca. 25% niedriger lag.
Die Angaben der Gesundheitspersonalrechnung basieren zu einem wesentlichen Teil auf der Hochrechnung von Daten des Mikrozensus, einer 1%-Haushaltsstichprobe. Dieses Vorgehen sei zu ungenau und führe offenbar zu einer Überschätzung des tatsächlichen Personalbestandes in Pflegeberufen, so das Ergebnis der neuen Studie. Bei der Zahl der dreijährig ausgebildeten Pflegefachkräfte liege die Gesundheitspersonalrechnung sogar um fast 50% über dem tatsächlichen Wert. In seine Analysen hat Simon die Daten der Krankenhausstatistik, der Statistik der Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen und der Pflegestatistik einbezogen. Diese drei Teilstatistiken des Gesundheitswesens bieten deutlich zuverlässigere Angaben, da sie auf Vollerhebungen aller Einrichtungen mit gesetzlicher Auskunftspflicht basieren.
Die Analyse der Daten ergab zudem, dass es 1999 bis 2009 zwar einen Beschäftigungszuwachs in der Pflege gab, dieser aber vor allem auf eine starke Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen ist. Während die Zahl der Beschäftigten in Pflegeberufen um ca. 200.000 oder 23% stieg, nahm die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 210.000 oder 60% zu. Mittlerweile sind mehr als 50% aller Pflegekräfte nur teilzeitbeschäftigt. Diese Entwicklung ist insbesondere auch für die gegenwärtige Diskussion über einen Fachkräftemangel in der Pflege von Bedeutung. Offenbar gibt es ein erhebliches Potenzial an nicht genutzter Arbeitszeit von Pflegefachkräften, das durch die Zunahme der Teilzeitbeschäftigung zudem immer größer wird. Dies wirft die Frage nach den Gründen für diese Entwicklung auf.
In seiner Studie kommt Simon zu dem Ergebnis, dass der über den allgemeinen gesellschaftlichen Trend weit hinausgehende Anstieg der Teilzeitbeschäftigung in der Pflege nicht primär auf familiäre Gründe – wie beispielsweise Zeiten der Kindererziehung – zurückgeführt werden kann. Hauptgrund sei vielmehr, dass Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen frei werdende Stellen in den letzten Jahren zunehmend nur noch als Teilzeitstellen ausschreiben. So kann Personal flexibler eingesetzt und können Personalkosten gespart werden. Zudem führt die gestiegene Arbeitsbelastung in Krankenhäusern offenbar dazu, dass zunehmend mehr Pflegekräfte ihre Arbeitszeit aus gesundheitlichen Gründen reduzieren.
In der gegenwärtigen Diskussion über einen bestehenden oder zukünftig zu erwartenden Fachkräftemangel in der Pflege müsse der Blick darum weit stärker als bisher auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen des gegenwärtigen Pflegepersonals gerichtet werden. Dies sei – so Simon – der zentrale Ansatzpunkt für die Vermeidung eines Fachkräftemangels in der Pflege.
Studie zur Beschäftigung in Pflegeberufen
Fakultät V – Diakonie, Gesundheit und Soziales
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| Öffentlichkeitsarbeit und Marketing | 30.01.2012 |

